| Durchführende Organisation: |
ABS Brücke GmbH und (Jugend)LOK e.V. |
| Laufzeit des Projektes: |
1998 bis 2001 |
| Lokaler Bezug: | Friedrichshain |
| Förderung: | Senatsverwaltung für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen Europäischer Sozialfonds ESF Arbeitsagentur Mitte |
| Inhalte: | |
Maria Kiczka- Halit, damals noch als Projektleiterin bei dem Beschäftigungsträger angestellt, initiierte 1997 das Modell und entwickelte step by step eine Finanzierungsstruktur.
Selbst vorher in Modellprojekten der Jugendsozialarbeit tätig, war es ihr ein Anliegen, wegzukommen von einem Arbeitsansatz, der nur die Defizite der jungen Menschen zum Ausgangspunkt des Handelns macht. Die Stärken und Potenziale der Jugendlichen zu erkennen und zu betonen - das war ihre Motivation. Auch störte sie, dass die Jugendberufshilfe nicht wirtschaftsorientiert genug war und damit vielen jungen Menschen der Zugang in den ersten Arbeitsmarkt erschwert wurde.
Ein Teil der am Arbeitsmarkt benachteiligten jungen Menschen – so war ihre Ausgangsthese - ist trotz oder gerade aufgrund ihrer unkonventionellen Ansätze der Lebensführung in der Lage, selbständig zu arbeiten. Es war daher sinnvoll, auch dem Thema jugendlicher Existenzgründungen als einem innovativen Ansatz der Jugendsozialarbeit eine größere Öffentlichkeit und eine entsprechende Förderung zu verschaffen.
Die Zielgruppe beschrieb sie:
- als junge Menschen, für die Selbständigkeit ein Abschnitt in ihrer Lebensbiographie ist oder die sie gleichzeitig zu einer Erwerbsbiographie betreiben;
- als junge Menschen, die nicht das große Kapital benötigen für ihre häufig in einfachen Dienstleistungen angesiedelten Existenzgründungen;
- als junge Menschen, die durch Szenekenntnisse ihre Kunden mitbringen und einen Unterstützerkreis haben; die über Flexibilität verfügen und nicht unbedingt reich werden wollen, sondern mit einer Arbeit, die Spaß macht, ihren Lebensunterhalt sichern wollen.
Bereits 1999 beschrieb sie ihre ersten Modellprojektserfahrungen in der Fachzeitschrift Jugend, Beruf und Gesellschaft unter dem Titel : "Die Stunde der Unternehmer von unten ist da ...": Berliner Modellvorhaben JugendLOK weist neue Wege aus der Jugendarbeitslosigkeit, Kiczka-Halit, Maria (1999), In: Jugend, Beruf, Gesellschaft : Zeitschrift für Jugendsozialarbeit. - 50 (1999), H. 3, S. 182-187. - ISSN: 0342-0175.
Das Modellprojekt beruhte auf der Prämisse, dass bei entsprechender Beratung und Unterstützung Existenzgründungen für Personen aus der Zielgruppe eine realistische Strategie der Existenzsicherung darstellen können, dass aber die vorhandenen Förderinstrumente und Unterstützungsverfahren den Ausgangslagen und Bedürfnissen dieser Gruppe nicht gerecht werden.
Das Land Berlin stieg nach der Vorlaufphase des Arbeitsamtsprojektes 1999 mit einer dreijährigen Modellförderung ein und ermöglichte damit, dass junge insbesondere arbeitslose Menschen durch eine Kombination von Beratung und Qualifizierung individuell bei der Entwicklung ihres Unternehmens unterstützt werden konnten.
Das Modell basierte von Beginn an auch auf einem lokalen Ansatz und vernetzte seine Aktivitäten mit einer Politik der Stadtteilentwicklung in dem damals strukturschwachen Ostberliner Stadtbezirk Friedrichshain.
Es baute ein lokales Beratungsbüro in Friedrichshain auf und engagierte sich, die lokalen Ressourcen für die Zielgruppe zu erschließen. Zu nennen sind hier insbesondere die Kooperation mit dem Bezirksamt und der Wirtschaftsförderung, dem Quartiersmanagement am Boxhagener Platz und der bezirklichen Filiale der Berlin Volksbank. Mit ihr wurde frühzeitig eine enge Einzelfall- und fachbezogene Zusammenarbeit aufgebaut, um für die Zielgruppen Mikrofinanzierungen zu ermöglichen.
Mit der Modellförderung der Senatsverwaltung standen Personalressourcen zur Verfügung, um andere Finanzierungsquellen zu schließen. Eine die Beratungsarbeit flankierende ESF - Maßnahme für junge Sozialhilfeempfänger/innen ist hier ebenso zu nennen, wie die Entwicklung der oben beschrieben JobBox, die Kooperation mit dem MikroPolis – Projekt oder der erste lokale Ideen – und Gründerwettbewerb Friedrichshain-Kreuzberg, der noch vor der offiziellen Bezirksfusion junge Menschen aus beiden zukünftigen Stadtbezirken ansprach und zusammenbrachte.
Der Projektverlauf zeigte relativ bald, dass bei der genannten Zielgruppe eine Nachfrage nach Beratung und Unterstützung bestand und dass auch aus unkonventionellen Ideen realistische Existenzgründungskonzepte werden können, die Aussicht auf Bestand haben, wenn durch ein entsprechendes Unterstützungsangebot Wege in die Selbstständigkeit geebnet werden.
Gestartet als Projekt der ABS- BRÜCKE gründete das Team von sieben Mitarbeiter/innen im Jahr 1999 den Verein JugendLOK und entwickelte die diversen Finanzierungsbausteine, die sukzessive in die Trägerschaft des Vereins übergingen.
2001 löste sich dann das Projekt endgültig mit allen Aktivitäten von der ABS BRÜCKE und gründete sich aus. An dieser Stelle sei dem Träger noch einmal gedankt, der auch eigene Ressourcen in die Entwicklungsarbeit investierte.
Nachhaltigkeit des Modellprojekts sicherte sich der Verein durch die Initiierung der EQUAL Entwicklungspartnerschaft „Verbund Enterprise. Junge Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit.“
Nach erfolgreicher Interessenbekundung schloss sich der JugendLOK mit dem Träger von Enterprise Brandenburg (IQ e.V.) zur Entwicklung des Verbundes Enterprise zusammen.
Unter der Marke Enterprise Berlin wurde der Modellansatz fortgeführt und gemeinsam mit weiteren Partnern in der Entwicklungspartnerschaft weiterentwickelt.
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