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Internationaler Frauentag 2011 – Frauen in der Selbständigkeit

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fotolia_9759407_s_Von Anna-Maria Müller

Der 8. März wird seit dem Jahr 1921 als Internationaler Frauentag begangen. Ein guter Anlass, um das Thema „Frauen in der Selbständigkeit“ aufzugreifen. Laut der Bundesagentur für Arbeit sind ca. 40% aller Existenzgründer in Deutschland Frauen, die somit im Jahr einen Umsatz von rund 230 Milliarden Euro machen. Dabei gründet aber nur jede dritte Frau im Vollerwerb.
Gründe dafür sind häufig die Schwierigkeiten, die bei der Vereinbarung von der Rolle als Hausfrau und Mutter und der als Unternehmerin auftreten. Auch die Ausbildung in typischen Frauenberufen, die eher schlechter auf eine Selbständigkeit vorbereiten, beeinflusst die Gründungsvariante. Kriterien wie Zeitmangel, eine schlechtere finanzielle Basis, geringe Berufserfahrung und weniges Netzwerken lassen Frauen oft gegen eine Vollerwerbsgründung  entscheiden.

Im Bezug auf Kredite und dergleichen sammeln Frauen hingegen viele Pluspunkte, so die Bundesagentur für Arbeit. Denn da zeichnen sie sich durch Zuverlässigkeit, einen risikobewussten Umgang mit den Finanzen und einer genau durchdachten Finanzplanung aus.

Was aber dennoch ein auffälliges Merkmal bei selbständigen Frauen darstellt, ist die Tatsache, dass die Existenzgründung zur Lebenslage und –planung passt. So berücksichtigen Sie in ihren Entscheidungen immer ihre familiäre, finanzielle und die eigene fachliche Situation.

Ein Artikel des Internetportal der „WirtschaftsWoche“ (www.wiwo.de) geht darauf ein, dass sich die Gründe westdeutscher Frauen für eine Existenzgründung von denen ostdeutschen unterscheiden. Die Frauen in den alten Bundesländern verbinden mit einer Entscheidung für die Selbständigkeit vor allem die Möglichkeit der Kontrolle und Selbstbestimmung der eigenen Zeit. In den neuen Bundesländern wollen 75% der Frauen in erster Linie ihre finanzielle Lage verbessern und 63% gehen diesen Schritt, weil Arbeitslosigkeit droht oder sogar bereits besteht. Im Artikel wird die Entscheidung zur Selbständigkeit sogar mit einer Art Ventil für die Frauen verglichen, da im allgemeinen Unzufriedenheit mit dem Einkommen und dem Vorgesetzten herrscht. Nach einer Studie der KfW Bankengruppe (Nr. 48 „Gründungsaktivität von Frauen und Männern in Deutschland“) ist bei Frauen in der Arbeitslosigkeit eine gesteigerter Gründungsaktivität als bei den Männern zu erkennen. Die Selbständigkeit offenbart sich in dieser Lage vielen Frauen als interessanten (Wieder-)Einstieg in die Erwerbstätigkeit. Außerdem sammelte jede dritte Gründerin schon im Jugendalter Erfahrungen im Betrieb der Eltern und unterstütze sie bei ihrer Tätigkeit, so geht es aus dem Artikel der WirtschaftsWoche hervor.

Im selben Artikel steht auch, dass etwa 65% der Frauen die Finanzierung der Startphase als größte Hürde beim Gründungsprozess betrachten. Das bundesweite Business-Netzwerk Migrantinnen, „PETEK“, geht in einem Artikel „Studie: Existenzgründungen bei Frauen seltener als bei Männern“ auf weitere Probleme ein. So sind Frauen oft kritischer in Hinblick auf Einschätzungen zu ihrem Gründungsumfeld und zum Prestige einer selbständig unternehmerischen Person oder eines Unternehmens. Zudem sind sie unsicherer und zweifeln ihre eigene Befähigung als Unternehmerin an bzw. stellen den Reiz und den Sinn einer Gründung in Frage.

Laut einer Ausgabe der Bundesweiten Gründerinnenagentur (Nr. 7 „Existenzgründung durch Frauen in Deutschland – Quantitative Bedeutung von Gründungen durch Frauen“) sind ca. 2/3 der Existenzgründerinnen zwischen 35 und 54 Jahre alt. Daraus schließt die Bundesweite Gründerinnenagentur (bga), dass Frauen oft erst nach einigen Jahren Berufserfahrungen oder nach einer Unterbrechung ihrer Erwerbstätigkeit die Selbständigkeit anstreben. Rund 70% der Gründerinnen haben die Mittlere Reife, Fachhoch- und Hochschulreife abgeschlossen. Aus einer Ausgabe der „Gründer Zeiten“ (Nr. 2 „Existenzgründung durch Frauen“), die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) herausgegeben wird, geht hervor, dass die Frauengeneration von heute die am besten ausgebildete aller Zeiten ist. Der Studie der KfW zufolge „[…] ist der Bildungsvorsprung der Gründer vor den Nichtgründern bei Frauen ausgeprägter als bei Männern.“ Interessant ist auch, dass ca. 76% der Frauen die Unterstützung durch ihren Lebenspartner als wesentlich ansehen, so die WirtschafsWoche, und die bga schreibt, dass ca. 2/3 der selbständigen Frauen verheiratet sind. Im Vergleich dazu sind Arbeitnehmerinnen deutlich seltener verheiratet.

Laut dem BMWi hat ein Migrationshintergrund keinerlei Auswirkungen auf die Gründungstendenz von Frauen. In einer weiteren Ausgabe der bga (Nr. 27 „Unternehmerische Selbständigkeit von Frauen mit Migrationshintergrund“) ist zu lesen, dass jede sechste bis siebte selbständige Frau in Deutschland einen Migrationshintergrund hat. Doch auch bei den Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gründen die Frauen mit 7% seltener als die Männer mit 12%. Die rasante Dynamik, mit der die unternehmerischen Tätigkeiten der Frauen mit Migrationshintergrund wachsen, übertrifft sowohl die der Männer als auch die der „einheimischen“ Frauen. Das kann man deutlich an den Zahlen erkennen: in den letzten zehn Jahren vernahm man bei Frauen ohne deutschen Pass ein Unternehmerinnenzuwachs von 88%, bei deutschen selbständigen Frauen hingegen nur von 26%.

In der NRW-Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) an der Universität Mannheim wird angegeben, dass 1/4 bis 1/3 der selbständigen Frauen mit Migrationshintergrund besonders durch Arbeitsmarktprobleme die Entscheidung zur Existenzgründung treffen. Als Anreize für diesen Schritt nennen sie die Unabhängigkeit, die flexibleren Gestaltungsmöglichkeiten ihrer Arbeit und die Verbesserung ihrer finanziellen Lage. Dabei kann erwähnt werden, dass selbständige Frauen in Deutschland im Allgemeinen mehr verdienen als Arbeitnehmerinnen, dieses Einkommensgefälle jedoch bei den Frauen mit Migrationshintergrund größer ist.

Frauen mit Zuwanderungsgeschichte haben häufig wenige eigene Ersparnisse, da ihre Erwerbslaufbahn eher kürzer ist. Obwohl sie dann nicht selten finanziell durch ihre Familien unterstützt werden, können auch sie nicht auf Fremdkapital verzichten und sind so auf Kredite angewiesen. Doch die Beschaffung von Krediten gehört zu den häufigsten Problemen, mit denen diese Frauen kämpfen müssen. Hinzu kommt, dass ihre Ausbildungen, die sie vielleicht schon in ihren Heimatländern abgeschlossen haben, in Deutschland oft nicht anerkannt werden. Aus diesem Grund müssen sie häufig eine deutsche Ausbildung nachholen oder zusätzlich eine Weiterbildung absolvieren. Diese Problematik kostet sie wiederum viel Zeit und auch Geld.

Abschließend kann jedoch festgestellt werden, dass Frauen mit Migrationshintergrund, die sich hier in Deutschland eine eigene unternehmerische Existenz aufgebaut haben, strukturell besser integriert sind. In Bezug auf ihr Einkommen und den individuellen Ressourcen haben sie sich gut positioniert. Durch ihre Selbständigkeit pflegen sie mehr sowohl private als auch geschäftliche Kontakte zu Deutschen und fühlen sich so in die deutsche Gesellschaft integriert. Dieses Gefühl rührt vor allem auch daher, dass sie der Ansicht sind, dass sie nach ihrer Gründung mehr Anerkennung bekommen.

Der Internationale Frauentag ist auch Anlass, Maria Kiczka-Halit ein paar Fragen zum Thema Frauen und Selbständigkeit  zu stellen. Sie ist geschäftsführender Vorstand bei der Gründungsberatung LOK. LOK bietet allen, die gründen wollen in verschiedenen Projekten kostengünstige und sogar kostenfreie Beratung und Begleitung auf dem Weg in de berufliche Selbstständigkeit. Dazu mehr unter www.lok-berlin.de.

Mit welcher Motivation haben Sie sich selbständig gemacht?

Maria Kiczka-Halit: Ich habe mich nicht wirklich bewusst selbständig gemacht, sondern habe eigentlich immer selbständig gearbeitet und meine Ideen umgesetzt, auch als Angestellte. Der Weg zu einer eigenen Organisation ist da nicht weit.

Wie haben Sie sich auf diesen Prozess vorbereitet?

Maria Kiczka-Halit: Durch die praktische Arbeit: es war ein fließender Prozess zwischen der Projektarbeit als leitende Angestellte und der Gründung einer eigenen Organisation. Eine bewusste Vorbereitung war das nicht. Aber von Beginn an haben wir in einem Team gearbeitet, in dem die unterschiedlichen Kompetenzen vertreten warten. So war das ganze Wissen auf mehrere Personen verteilt und die Zusammenarbeit brachte effektive Ergebnisse.

Was wollen Sie in Ihrem Unternehmen bewegen?

Maria Kiczka-Halit: Ich möchte Menschen, die Lust haben, selbständig zu arbeiten und ihre Ideen umzusetzen, die bestmögliche Unterstützung anbieten. Das kann Beratung genauso sein, wie Raum und Zeit, die eigenen Ideen zu entwickeln, bis sie reif sind, um allein davon leben zu können. Und ich bin ein Anhänger einer starken lokalen Ökonomie, die den Menschen im Auge behält und sozialverträgliche Strukturen schaffen möchte.

Wie konnten Sie Familie und ihre Selbständigkeit unter einen Hut bringen?

Maria Kiczka-Halit: Ich hatte Glück, denn ich bin in den ersten fünf „Kinderjahren“ als Freiberuflerin tätig gewesen und konnte mir meine Zeit einteilen. Zudem hatte ich einen Partner, der auch in Teilzeit gearbeitet hat und ich hatte wenige Ansprüche an Komfort. Wir sind hineingewachsen in ein „Mehr“ an Arbeit und in die Formen der Arbeitsgestaltung. Und wir haben uns immer die Verantwortung geteilt! Ich habe mir flexible Arbeitszeiten ermöglichen können und konnte auch von zu Hause arbeiten. Mir ist bewusst, dass das nicht in allen Branchen funktioniert. Dennoch ist es die Mühe wert, es zu versuchen und konsequent daran zu arbeiten.

Was bedeutet es für Sie heute, sich als Frau selbständig zu machen?

Maria Kiczka-Halit: Ich würde die Frage ungern auf eine „Frauenthema“ reduzieren, ich glaube Frauen haben da sehr aufgeholt. Auch wenn es immer wieder heißt, der prozentuale Anteil an Gründerinnen ist immer noch niedriger als der der unternehmerisch selbständigen Männer, sind ca. 50% unserer KundInnen Frauen. Ein anderes Thema ist da aktueller: Ich bin gerade Großmutter geworden und erlebe hautnah, wie schwierig es immer noch ist – oder soll ich sagen wieder? – für junge Mütter und/oder Väter, die sich was Eigenes aufbauen möchten und flexible Arbeitszeiten benötigen. Es geht dabei um bestimmte Themenbereiche, die da wären:  Kinder, Väter, Mütter, alleinerziehend. Unsere Betreuungseinrichtungen sind nicht der sich verändernden Arbeitswelt gewachsen, dabei spielt es keine Rolle, ob sich Mann oder Frau selbständig macht. Kreativwirtschaft, Tourismus, Gastronomie und Gesundheitswirtschaft sind alles florierende Bereiche für die Selbständigkeit. Aber das Problem für Mütter und Väter sind die außerhalb der regulären Arbeitszeiten fehlenden öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder, vor allem wenn diese noch im Säuglingsalter sind. Hier besteht ein riesiger Handlungsbedarf: kleine Gruppen, individuell gestaltbar, zeitlich flexibel, bezahlbar, dezentral, mit gutem qualifizierten Personal.

Wie unterstützen Sie andere Frauen?

Maria Kiczka-Halit: Bei LOK gibt es keine spezielle Förderung von Frauen. Wir holen die Menschen dort ab, wo sie stehen, egal ob Mann oder Frau. Wir achten in unserer Organisation aber darauf, dass wir in unserem Team ein ausgeglichenes Verhältnis haben. Das finde ich sehr wichtig, da sich Mann und Frau in ihrer Unterschiedlichkeit in einer Firma sehr gut ergänzen können. Und ich rate den Frauen: seid ihr selbst und versucht zu verstehen, warum ihr so handelt, wie ihr handelt und versucht aber auch zu verstehen, warum der Andere so handelt, wie er handelt. Das Geschlecht kann eine Rolle für Unterschiedlichkeit sein – muss aber nicht.

Was raten Sie den Gründerinnen von morgen?

Maria Kiczka-Halit: Das, was ich allen Frauen rate - auch denen, die angestellt sind –  ist: selbstbewusst die eigenen Ideen vertreten, die eigenen Stärken kennen und nicht verstecken, nachfragen, dranbleiben, Rahmenbedingungen einfordern, die auch ermöglichen, Kinder und Arbeit miteinander zu vereinbaren. Und dass eine gute Vorbereitung    für eine Gründung notwendig ist, ist nicht ein typisches Frauenthema, oder doch? Denn Frauen sind fundierter und gründlicher in ihrer Vorbereitung, brauchen daher aber auch länger und lassen dann eher davon ab. Ein wenig mehr Risikobereitschaft wäre also schon gut.

 

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